Erben übers Ohr gehauen

Immobilie unter Wert erworben / Käufer zahlt nun nach

(Az.: 11 U 45/98; Urteil vom 23. März 2000)

Schützenhilfe hat eine Erbengemeinschaft aus Ostdeutschland vom Karlsruher Oberlandesgericht bei einem Grundstücksverkauf erhalten. Nach einem Urteil muss ein Immobilienkaufmann aus Westdeutschland jetzt für ein 1990 billig erworbenes Grundstück in Chemnitz 355000 Mark nachzahlen. Aus Sicht des Gerichts hatte der Mann sittenwidrig gehandelt, weil er die Unerfahrenheit seiner Vertragspartner ausgenutzt habe.

Der Beklagte hatte von der Erbengemeinschaft ein 590 Quadratmeter großes, mit einem fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus bebautes Grundstück für 245000 Mark erworben. Zwei Jahre später verkaufte er die Immobilie für das Zehnfache an eine Versicherungsgesellschaft. Diese sanierte das Haus für 2,5 Millionen Mark. Die früheren Eigentümer sahen sich übers Ohr gehauen: Schon 1990 habe der Wert mindestens 600000 Mark betragen. Sie pochten auf die Differenz zwischen dem bezahlten Kaufpreis und dem tatsächlichen Wert.

Der 11. Zivilsenat des OLG gab den Klägern nach einem Gutachten Recht. Es liege ein grobes Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung vor. Das Gericht erkannte eine verwerfliche Gesinnung, da der Beklagte Ende 1990/Anfang 1991 mehrmals versucht habe, in den neuen Bundesländern Grundstücke zu Billigstpreisen zu erwerben. Gegen diese Entscheidung kann noch die Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt werden.